Mit „ChainStaff“ bringt das kleine Studio Mommy’s Best Games einen Sci-Fi-Plattformer auf Konsolen und Steam, der so verrückt wie brutal ist. Du spielst einen Mutanten mit einem Alien auf dem Kopf und einer flexiblen Waffe – dem „ChainStaff“ – die sich im Handumdrehen in Speer, Schild, Greifhaken oder sogar eine Brücke verwandeln lässt. Damit kann man mutierte Nager und Vogelwesen aufspießen, Angriffe abwehren, durch die Luft schwingen und dich kreativ durch die Level kämpfen, die aussehen, als wären sie einem Manowar-Albumcover entsprungen.

Mit der Zeit entwickelt man eine Art siebten Sinn für Titel, die man gar nicht erst anzurühren braucht. So quillt unser Redaktionspostfach täglich mit Promo-Mails über, in denen das neue „Blasphemous trifft The Witcher“ angekündigt wird. Das hat oftmals auch nicht mehr viel mit der tatsächlichen Indie-Entwickler-Szene zu tun. Es ist eher ein Gruß vom digitalen Ramschtisch: zeitgenössische Shovelware.

„Earthworm Jim x Contra“ war die große Behauptung im Pressetext des hier thematisierten Run and Guns und wir konnten nicht anders, als mir die Demo runterzuladen. Was für ein großartig absurder Plattformer!

Von der Story, über das Szenario und die Gameplaymechaniken stimmt hier einfach alles. Auch die Grafik ist spannend angelegt: ein Mix aus Retro, Tuschmalerei und Moderne. Auch die mit viel Wortwitz inszenierten Cut-Scenes geben dem Spiel zusätzliche Tiefe, was fast etwas überraschend für ein derartiges Over-the-Top-Game ist.

Einziger Wermutstropfen: Der Sound. Da explizit mit Heavy-Metal-Instrumentierung geworben wird, ist dies umso stärker schade. Wir hören recht generische schwere Gitarrenriffs und ein peitschendes Schlagzeug: alles instrumental. Warum engagiert man nicht eine aufstrebende Metal-Band, die Spaß an der Sache hätte, das Spiel auditiv zu untermalen? So wirkt das Konzept irgendwie nicht zu Ende gedacht. Diese Musikidee mag bei „Destruction Derby“ noch frisch, weil in CD-Qualität ungewohnt für ein Videospiel, gewirkt haben. Heute lockt dieser Sound keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Tatsächlich steht nicht irgendein Komponist dahinter, sondern Broforce-Soundtüftler Deon van Heerden. Schöne Referenz, aber wir sind nicht überzeugt von dem Ergebnis, das wir in der Demo hören konnten.

Organe fressen oder Mensch bleiben?

Bei „ChainStaff“ entwickelt sich der Hauptcharakter, ein zum Alien mutierender Homo Sapiens, je nachdem, ob du gefallene Kameraden rettest oder ihre Organe isst. Jede Entscheidung öffnet neue Wege, beeinflusst deine Upgrades und führt zu einem von drei möglichen Enden. Die Bosskämpfe sind gigantisch und zwingen dich immer wieder dazu, den ChainStaff auf neue Arten einzusetzen – ob du beispielsweise die riesigen Kiefer eines T-Rex-Aliens aufbrichst oder seine Zähne zertrümmerst, bleibt dem Spieler überlassen.

Wir empfehlen unbedingt, sich mit der Demo zu befassen. Der Umfang reicht absolut aus, um einen guten ersten Eindruck zu erhalten. Die Vollversion soll am 8. April auf allen gängigen Plattformen erscheinen.

Bild: Mommy’s Best Games

Kommentar hinterlassen

Anmerkung oder Frage schreiben

Jeder Beitrag wird von Hand freigeschaltet. Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, dass der angegebene Name im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar und ggf. Ihrer Website gespeichert wird.