Schmissige Retro-Sounds, ein Schlagzeug, eine Gitarre und einen Leadsänger – mehr braucht die Band Schüchtern nicht, um uns mit ihrem neuen Song „64K“ in Erinnerungen an die gute alte C64-Zeit schwelgen zu lassen. Grund genug für uns, mit dem Frontmann Sebastian etwas mehr über die Hintergründe der Band, ihre Gaming-Karriere und natürlich ihre Inspirationsquellen zu sprechen.

Wenn ihr mehr erfahren wollt, warum der Song „64K“ eine Hommage an durchzockte Nächte ist, dann schaut doch einfach in unseren Artikel zur Ankündigung des Songs rein oder hört bzw. seht euch das Video zum Song an:

Seit wann gibt es eure Band und wie habt ihr euch gefunden? Wie seid ihr zu eurem Musikstil gekommen?

Schüchtern gibt es seit 2014, wobei ich die ersten Songs schon 2009 alleine im Studio aufgenommen habe. Aber damals steckten wir alle drei noch in einem anderen Projekt und als sich das dann auflöste, war die Zeit gekommen, die Songs auch live zu spielen. Dazu kam, dass ich vorher noch nie als Frontmann einer Band aufgetreten war – daher auch der Bandname, denn wir dachten uns, wenn das Ganze irgendwie peinlich werden sollte, könnten wir es einfach aufs Konzept schieben! War dann zum Glück aber nicht der Fall! Der Musikstil entsteht einfach automatisch, wenn ich mir neue Songs ausdenke – vielleicht ist es ein Mischmasch aus allem, was ich bisher so gemacht und selbst gerne gehört habe. Das reicht von Liedermacher über Folk-Rock bis zu Thrash-Metal!

Euer Song „64K“ ist eine Hommage an durchzockte Nächte. Welche Rolle hat das Gaming in eurer Jugend eingenommen und gehören Gaming-Sessions auch heute noch zu eurem Alltag?

Ich kam ziemlich früh mit Computern in Kontakt. Es fing an mit einem geliehenen Commodore CBM 3032, ein legendäres Teil, auf dem ich allerdings soweit ich mich erinnere keine Spiele spielte, sofern es überhaupt welche dafür gab. Da dürfte ich vielleicht so zehn bis zwölf Jahre alt gewesen sein. Mit einem Freund zusammen kaufte ich mir dann einen gebrauchten TI 99/4-A mit einem kleinen Schwarz-Weiß-Röhrenfernseher als Monitor, das muss man sich mal vorstellen! Für den TI gab es einige Spiele als Steckmodule, außerdem habe ich Spiele-Listings in Computerzeitschriften abgetippt und bin darüber dann selbst ans Programmieren von kleinen Spielen gekommen. Auf meinem späteren Computer, einem Schneider CPC 6128, hatte ich dann sogar einige Veröffentlichungen in Magazinen und habe so mein Taschengeld aufgebessert.

Den im Song besungenen C64 habe ich übrigens damals nicht selbst besessen, ich bin immer zu einem Freund zum Zocken gegangen. Danach ging es über einen Amiga 500 zum Amiga 2000, auf denen ich auch noch Spiele programmiert und veröffentlicht habe. Erst danach suchte ich mir die Computer eher nach deren Fähigkeiten zum professionellen Musikmachen aus und landete über einen Atari Mega STE bei PCs und mittlerweile bei Apple. Auf den PCs habe ich, je nach Jahrzehnt, dann auch Spiele wie „Doom“ und „Far Cry“ gespielt, aber nicht wirklich regelmäßig. In meinem früheren Studio hatte ich auch eine ziemlich coole Playstation 1 im Arcade-Gehäuse stehen, die ich billig von einer Messefirma übernommen habe. Daran spielten wir oft „Tekken“ sowie irgendwelche uralten „FIFA“-Versionen. Keine Ahnung, was aus der geworden ist. Danach, muss ich zugeben, ist das Zocken ziemlich in den Hintergrund getreten, ich bin eher Gelegenheitsspieler geworden. Für meine Töchter musste irgendwann eine Wii angeschafft werden und bei Freunden habe ich ab und zu noch „FIFA“ auf einer PS2 und PS3 gespielt. Was mich dann aber doch wieder fasziniert hat, war die PS4 mit VR-Brille. Da sind die Games zum großen Teil zwar spielerisch eher bescheiden, aber das VR-Erlebnis finde ich schon beeindruckend. Damit kann ich mittlerweile auch wieder viel Zeit rumbringen.

Was ist dein bzw. euer Lieblingsspiel?

Da wird die Gamer-Gemeinde aufstöhnen, aber das letzte Spiel, das ich komplett begeistert durchgespielt habe, war „Astro Bot Rescue Mission“ auf der PS4 VR. Das fand ich unglaublich gut und liebevoll gemacht, auch soundmäßig, was mir ja auch wichtig ist. Davor fand ich auch „Mario Kart“ sehr witzig. Also grundsätzlich eher so kurzweilige Arcade-Games, denn für Spiele, an denen man wirklich lange dranbleiben muss, fehlt mir leider die Zeit. „Fortnite“ und „World of Warcraft“ zum Beispiel kenne ich nur vom Hörensagen. Auf meinem alten Schneider CPC habe ich besonders gerne „Bomb Jack“, „Space Harrier“ und einen 2D-Shooter namens „Gryzor“ gespielt.

Einen kleinen Einblick in den 80er Jahre-Retro-Hit „Space Harrier“ für den CPC gibt euch das folgende Longplay-Video:

Welche ist für dich / euch die beste Konsole?

Wenn man mal meine Retro-Vorlieben außen vor lässt, würde ich mir mittlerweile eine PS5 zulegen, am besten dann, wenn es dafür auch ein dezidiertes VR-Set gibt. Sofern man sie denn bekommen könnte. Unser Gitarrist Daniel hat seinem Sohn letztens eine geschenkt – ich weiß nicht, wie er das geschafft hat! Das sieht jedenfalls schon richtig gut aus. Aber wirklich vergleichen kann ich das eigentlich nicht, zu Konsolen hatte ich nie so ein enges Verhältnis wie zu Heimcomputern. Da galt für mich eigentlich immer nur: Je besser die Hardware, desto besser die Konsole, daher wechselte das immer wieder. Und tendenziell lieber Playstation als Xbox.

Mal angenommen, du bzw. ihr könntet an einer Spiele-Entwicklung mitwirken – was für ein Spiel würde das werden?

Das ist schwierig, da die Spiele-Entwicklung ja so unglaublich aufwändig geworden ist. Ich glaube, das überlasse ich besser den Profi-Teams. Wenn ich mir selbst ein Spiel ausdenken müsste, würde das eher was Einfaches sein, das weniger durch ausufernde Filmsequenzen usw. punktet, sondern durch eine simple, aber originelle Spiel-Idee – also vielleicht sowas wie „Tetris“. Ist wahrscheinlich auch meinem Retro-Background zu verdanken. Schade, dass es „Tetris“ schon gibt!

Welcher Gaming-Soundtrack ist die absolute und ungeschlagene Nummer 1?

Völlig klar, „Bubble Bobble“ auf dem Amiga! Das habe ich nach über 30 Jahren immer noch als Ohrwurm festsitzen.

Könntet ihr euch vorstellen, den Titelsong eines Spiels zu schreiben und zu performen? Hättet ihr da vielleicht schon einen Favoriten oder Ideen?

Das könnten wir uns sicher vorstellen, allerdings frage ich mich, was das dann wohl für ein Spiel wäre! Die Helden in den Spielen sind ja meist etwas anders strukturiert als wir. Natürlich würden wir uns niemals dagegen wehren, auf einem Soundtrack zu landen, aber eine konkrete Idee gibt es da nicht. Offen sind wir aber für alles.

Was sind eure nächsten Projekte? Plant ihr weitere Titel mit Bezug zum Gaming?

Zunächst einmal müssen wir unbedingt versuchen, wieder viel live zu spielen. Das ist als Band das Allerbeste und leider durch die letzten zwei Jahre sehr schwierig geworden. Wir haben in der Corona-Zeit unser zweites und das dritte Album rausgebracht, das wollen wir endlich „in echt“ an den Mann und die Frau bringen. Bislang ist der Song „64K“ ein Einzelstück mit konkretem Gaming-Bezug. Klar könnte man es sich einfach machen und direkt etwas Ähnliches über den Amiga raushauen, aber das wäre mir irgendwie zu billig. Ich denke, es kann gut sein, dass in einzelnen Texten immer mal wieder Anspielungen auf meine Nerd-Vergangenheit (und -Gegenwart, haha) kommen, aber dann eher in einem anderen Thema verpackt. Aber wer weiß, sollte ich irgendwann mal in den VR-Welten der PS5 rumstolpern, finden sich da sicher auch Inspirationen für neue Songs!

Zu einem weiteren Song, z.B. für den Amiga, würden wir von der Retro Gaming Crew nicht Nein sagen. Wenn euch der Song gefallen hat und ihr noch mehr zur Band oder ihren anderen Alben erfahren wollt, dann checkt doch mal die Website der Band sowie ihren Facebook– und Instagram-Kanal aus!

Bild: Schüchtern

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