Früher war es oft so: Man ging in einen Laden oder auf den Flohmarkt, sah ein Spiel mit interessantem Cover und griff zu – ohne vorher zu wissen, was einen erwartet. So war es bei mir mit „Heroes of Might and Magic III“ Anfang der 2000er. Oder besser gesagt, ich griff zufällig zu einer der Einzelkampagnen aus der „Heroes Chronicles“-Reihe und holte später das Original nach. Jedenfalls war es Liebe auf den ersten Blick. Die Nachfolge-Titel konnten leider allesamt nicht mehr diese Magie – oder eher „Magic“ – des dritten Teils einfangen. „Olden Era“ soll das nun richten. Ich habe in den Early Access reingeschaut und verrate euch meinen Eindruck.

Wie der Name „Olden Era“ schon vermittelt, soll es nun zurück zu den Wurzeln gehen. Sowohl die Grafik als auch das Gameplay versuchen eindeutig, den Charme des großen Vorbilds „Heroes of Might and Magic III“ wiederaufleben zu lassen. Große Fußstapfen, in die „Olden Era“ da treten will. Seit dem 30. April 2026 ist das Spiel im Early Access. Ein exakter Termin für den finalen Release steht noch nicht fest. Das Entwicklerstudio Unfrozen und der Publisher Hooded Horse haben jedoch grob angekündigt, dass das Spiel etwa ein Jahr im Early Access bleiben soll. Aber lasst die Moral nicht sinken: Alle sechs Fraktionen, der Anfang der Kampagne und der freie Modus sind bereits enthalten. Sogar im Map-Editor könnt ihr euch bereits austoben.

In der Hölle ist der Schwarm los

„Olden Era“ steht allerdings nicht nur allein für die Rückbesinnung auf den dritten Teil. Die Handlung spielt sogar vor allen anderen Teilen und fungiert somit als Prequel. Schauplatz ist die ursprüngliche und klassische Welt Enroth. Genauer gesagt befinden wir uns auf dem Kontinent Jadame. Doch schon damals war Frieden wohl keine Option. Ein Schwarm dämonischer Insekten taucht auf und verbreitet Tod und Verderben. So müssen sich die restlichen Nationen zusammenschließen, um dieses Unheil abzuwenden.

HOMM Olden Era: Story-Kampf gegen Schwarm
In der Story-Kampagne stellt sich unsere Armee dem neuen, insektenartigen Schwarm entgegen

Im Early Access ist bislang lediglich der erste Teil der Kampagne spielbar. Große Wendungen oder tiefgreifende Enthüllungen bleiben daher noch aus. Dennoch macht die Geschichte bereits einen soliden Eindruck und erfüllt ihren Zweck: Sie liefert einen glaubwürdigen Anlass für die Feldzüge, ohne sich dabei zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Genau wie bei „Heroes of Might and Magic III“ steht letztlich nicht die Erzählung, sondern das strategische Abenteuer auf der Karte im Mittelpunkt.

Ein alter Held mit frischen Ideen

Wer bereits hunderte Stunden mit „Heroes of Might and Magic III“ verbracht hat, wird sich in „Olden Era“ sofort heimisch fühlen. Der grundlegende Ablauf hat sich kaum verändert: Auf der Abenteuerkarte erkundet ihr die Welt, sammelt Rohstoffe, erobert Minen, rekrutiert Einheiten und baut eure Städte aus. Dabei gilt es stets abzuwägen, welche Gebäude zuerst errichtet werden sollen und wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um gegen feindliche Helden oder neutrale Kreaturen in die Schlacht zu ziehen.

Die Kämpfe laufen wie gewohnt rundenbasiert auf einem Hexfeld-Schlachtfeld ab. Jede Einheit besitzt individuelle Werte für Angriff, Verteidigung und Initiative. Wer die Klassiker kennt, wird sich innerhalb weniger Minuten zurechtfinden. Neu sind in den Kämpfen die sogenannten Fokus-Punkte. Mit denen können Kreaturen Spezialfähigkeiten einsetzen, nachdem sie einige Zeit Schaden ausgeteilt oder eingesteckt haben. Auch der Held hat neben diversen Zaubern eine Standardfähigkeit, die ebenfalls mit Fokus eingesetzt werden kann.

Zudem wurden zahlreiche Komfortfunktionen ergänzt, die man in modernen Strategiespielen mittlerweile erwartet. Die Benutzeroberfläche liefert deutlich mehr Informationen als früher, wichtige Werte lassen sich schneller vergleichen. Ihr seht jetzt, außer bei feindlichen Helden, wie groß feindliche Truppen sind. Die alten Angaben wie „Haufen“ oder „Legion“ sind groben Zahlen gewichen.

HOMM Olden Era: Entwicklung Greifen
Neu: Ihr könnt euch zwischen zwei unterschiedlichen Upgrade-Varianten für die Kreaturen entscheiden.

Auch die Fraktionen unterscheiden sich erfreulich stark voneinander. Bereits im Early Access wird deutlich, dass die Entwickler großen Wert auf individuelle Spielstile gelegt haben. Manche Völker setzen auf rohe Stärke, andere auf Magie oder Mobilität. Dadurch fühlt sich jede neue Partie anders an und lädt zum Experimentieren ein. Zumal es mit dem bereits erwähnten Schwarm und darüber hinaus mit Schism zwei neue Fraktionen gibt. Ich persönlich feiere besonders die Einführung von Subklassen. Statt einfach verbessert zu werden, könnt ihr nun bei den Standard-Einheiten zwischen zwei Entwicklungen entscheiden, die jeweils andere Fähigkeiten haben.

Es gibt noch zahlreiche weitere Neuheiten. Insgesamt ist mir jedoch besonders positiv aufgefallen, dass „Olden Era“ trotz seiner offensichtlichen Anleihen beim dritten Teil nicht wie eine bloße Kopie wirkt. Das Ergebnis ist vertraut, aber dennoch frisch genug, um auch Veteranen bei Laune zu halten.

Grafik zwischen Nostalgie und Moderne

Schon die ersten Screenshots machten deutlich, welchen Weg die Entwickler einschlagen wollten. Statt auf fotorealistischen Stil oder überladene Effekte zu setzen, orientiert sich „Olden Era“ klar an der klassischen Optik der Serie. Bunte Landschaften, detaillierte Städte und liebevoll gestaltete Einheiten erinnern sofort an die goldenen Zeiten von „Heroes of Might and Magic III“. Wobei ich den Look anfangs etwas zu „cartoonig“ fand.

HOMM Olden Era Karte freies Spiel
Die Abenteuerkarte verbindet das klassische Spielgefühl mit einer modernisierten, übersichtlichen Optik.

Dennoch: Die Grafik hat ihren eigenen Charme. Die Karten sind detailliert, Animationen laufen flüssig und zahlreiche kleine Effekte sorgen für mehr Atmosphäre. Besonders die Städte gefallen mir bislang sehr gut. Jede Fraktion besitzt ihren eigenen Charakter und lädt dazu ein, einfach ein paar Minuten die verschiedenen Gebäude und Animationen zu betrachten.

Auch die Abenteuerkarte macht einen gelungenen Eindruck. Wälder, Berge, Gewässer und Ruinen sind klar erkennbar und sorgen für eine angenehme Übersicht. Das ist bei einem Strategiespiel dieser Art besonders wichtig, da man oft über Stunden dieselbe Karte betrachtet. Hier gelingt „Olden Era“ der Spagat zwischen Detailreichtum und Lesbarkeit erstaunlich gut.

Technischer Zustand des Early Access

Für eine Vorabversion hinterlässt „Olden Era“ einen erfreulich stabilen Eindruck. Während meiner Spielzeit kam es zu keinen Abstürzen. Sehr ärgerlich war aber der Verlust meines Spielstands. Ich hatte mehrere Stunden gespielt und manuell gespeichert. Doch als ich später laden wollte, war nur ein Savestate von vor mehreren Tagen verfügbar. Aber so ist das eben im Early Access: Hier und da gibt es noch kleinere Baustellen.

Positiv hervorzuheben ist die transparente Kommunikation der Entwickler. Unfrozen macht keinen Hehl daraus, dass noch Arbeit vor ihnen liegt, und sammelt aktiv Feedback aus der Community. Gerade bei einem Spiel, das sich so stark an einer legendären Vorlage orientiert, ist das ein wichtiger Faktor. Die Zielgruppe weiß schließlich sehr genau, was sie von einem modernen „Heroes“ erwartet und was nicht.

Mein Fazit zum bisherigen Stand

Nach einigen Stunden im Early Access fällt mein erster Eindruck überwiegend positiv aus. „Heroes of Might and Magic: Olden Era“ versteht erstaunlich gut, warum der dritte Teil bis heute als Klassiker gilt. Statt zwanghaft alles neu erfinden zu wollen, konzentrieren sich die Entwickler auf die Stärken der Serie und ergänzen diese um sinnvolle Modernisierungen.

Natürlich ist noch nicht alles perfekt. Die Kampagne ist bislang nur teilweise verfügbar, das Balancing wird sich bis zum Release vermutlich noch mehrfach ändern und auch technisch gibt es noch Luft nach oben. Doch die wichtigste Hürde hat „Olden Era“ für mich bereits genommen: Es fühlt sich tatsächlich wieder wie ein echtes „Heroes of Might and Magic“ an.

Gerade langjährige Fans, die sich seit Jahren nach einer Rückkehr zu den Wurzeln sehnen, sollten das Spiel unbedingt im Auge behalten. Ob am Ende wirklich der große Nachfolger gelingt, den sich die Community seit Jahrzehnten wünscht, wird sich erst mit der Vollversion zeigen. Der Early Access macht jedoch Hoffnung, dass die legendäre Reihe endlich wieder zu alter Stärke zurückfinden könnte.

Und vielleicht erlebt ja die nächste Generation von Spielern das Gleiche wie ich damals auf dem Flohmarkt Anfang der 2000er: ein zufälliger Griff zu einem Spiel, das sie anschließend jahrelang nicht mehr loslässt.

Aussehen17 / 20
Soundtrack18 / 20
Spielspaß19 / 20
Story15 / 20
Umfang17 / 20

The good

  • „Olden Era“ fängt das vertraute, nostalgische Spielgefühl des legendären dritten Teils perfekt ein, ohne dabei wie eine veraltete Kopie zu wirken.
  • Das neue Fokus-System bringt frischen, modernen Tiefgang in die traditionellen Rundenkämpfe.
  • Trotz des Early-Access-Status läuft das Spiel bereits bemerkenswert stabil und fehlerfrei im Gameplay.

The bad

  • Im Early Access ist die Story-Kampagne stark beschnitten, da bislang nur der allererste Akt spielbar ist.
  • Ein schwerwiegender Bug führte im Test zu einem frustrierenden Verlust von mehreren Stunden Spielfortschritt beim manuellen Speichern.

Bilder: Hooded Horse, Retro Gaming Crew

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