Endlich gibt es ein neues „Castlevania“-Spiel. Und dann ist es auch noch ein waschechter 2D-Action-Plattformer. Wir mussten ja nur über zehn Jahre auf ein komplett neues 2D-Castlevania warten, aber hey: Ich persönlich fand auch das erste „Castlevania: Lords of Shadow“ nicht schlecht. Doch was habe ich mich nach einem guten „Castlevania“ der alten Schule gesehnt. „Castlevania: Belmont’s Curse“ will genau das sein. Ich sage euch, ob es das auch wirklich ist.

Konami hat mittlerweile wieder zu alter Stärke gefunden, nachdem sich der Publisher für einige Zeit gefühlt von Videospielen verabschiedet hatte. Jetzt ist Konami zurück und hat sowohl die „Silent Hill“-Reihe als auch „Metal Gear“ aus dem Giftschrank geholt – und zwar mit Bravour. Nun ist auch „Castlevania“ an der Reihe. Seit dem 15. Oktober 2026 ist das Metroidvania, wie Kenner das Genre nennen, für PC, PlayStation 5, Xbox Series X/S und Nintendo Switch erhältlich. Verantwortlich für die Entwicklung sind Konami und Evil Empire, das bereits maßgeblich an den Erweiterungen von „Dead Cells“ gearbeitet hat. Ich habe mir die Switch-Version angeschaut und muss sagen: An ein „Symphony of the Night“ kommt „Belmont’s Curse“ nicht heran, aber es ist eine solide Rückkehr.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Wie es für die Reihe typisch ist, übernehmen wir die Rolle eines Belmont. Genauer gesagt spielen wir Rose Belmont, die Tochter des legendären Vampirjägers Trevor Belmont. 23 Jahre nach den Ereignissen von „Castlevania III: Dracula’s Curse“ wird Paris von monströsen Kreaturen überrannt. Die Stadt steht in Flammen, die Wachen sind geflohen und selbst die Kirche kann die übernatürliche Bedrohung nicht aufhalten. Und nein, ich spreche hier nicht von den aktuellen Nachrichten.

Logisch also, dass der bekannte Vampirjäger Trevor Belmont zu Hilfe gerufen wird. Dieser hat seine Tochter Rose dabei und schickt sie los, um die Stadt zu erkunden. Er selbst will sich mit dem Bischof von Paris treffen, der die Belmonts überhaupt erst um Hilfe gebeten hat. Rose durchstreift dabei nicht nur brennende Straßen, sondern auch dunkle Katakomben, einen riesigen Friedhof und noch mehr. Dabei gerät sie zunehmend in eine düstere Verschwörung, die nicht nur das Schicksal von Paris, sondern auch ihre eigene Vergangenheit betrifft.

Rose Belmont Castlvania Belmont's Curse
Rose Belmont tritt in die Fußstapfen ihres Vaters Trevor und stellt sich den Schrecken von Paris.

Insgesamt ist die Handlung allerdings nichts Außergewöhnliches. Die Geschichte erfüllt ihren Zweck, reißt aber keine Bäume aus. Dafür brilliert das Spiel meiner Meinung nach vor allem mit der grandiosen Vertonung der Charaktere. Darunter sind auch bekannte Stimmen aus der Netflix-Serie. So wird Dracula auch hier von Graham McTavish gesprochen. Eine deutsche Sprachausgabe sucht ihr allerdings vergeblich.

Steck die Peitsche weg

Zur Wehr setzt sich Rose mit diversen Waffen, die sie im Laufe des Spiels finden kann. Zu Beginn ist sie mit einem Schwert ausgerüstet. Dabei besitzt sie bereits eine Peitsche. Diese dient in „Belmont’s Curse“ allerdings zunächst hauptsächlich zum Schwingen, Greifen und Heranziehen an Gegner. Zwar findet ihr später auch eine Peitsche als klassische Waffe, doch bis dahin vergehen einige Stunden – sei’s drum. Dafür setzt Rose über das Arcana-System zusätzlich noch magische Fähigkeiten ein, beispielsweise Feuerangriffe oder das bekannte Wurfkreuz. Zusätzliche Relikte verleihen passive Boni und die Arcana-Fähigkeiten lassen sich durch bestimmte Herausforderungen verbessern.

Medusa/Prophetin Boss Castlevania Belmont's Curse
Neben gewöhnlichen Monstern warten auch mächtige Gegner wie die Prophetin auf Rose.

Das Ganze fühlt sich grundsätzlich gut an und je nach Gegner könnt ihr schnell zu einer geeigneteren Waffe wechseln. Die verschiedenen Waffen unterscheiden sich dabei nicht nur im Schaden, sondern auch in ihrer Reichweite und Angriffsgeschwindigkeit. Während sich manche Gegner mit schnellen Angriffen bearbeiten lassen, solltet ihr bei anderen lieber etwas Abstand halten. Das bringt eine angenehme Abwechslung in die Kämpfe und sorgt dafür, dass ihr nicht ständig mit derselben Waffe unterwegs seid.

Neben klassischen Monstern wie Skeletten, Zombies oder Medusenköpfen warten auf euch außerdem größere Bossgegner mit unterschiedlichen Angriffsmustern. Und die sind nicht ohne. Schon am ersten Bosskampf habe ich mir die Zähne ausgebissen und erst nach einigen Versuchen den Sieg in der Tasche gehabt. Das liegt aber auch teilweise daran, dass das Spiel viel auf Ausweichrollen und Rückwärtssprünge setzt. Wirklich präzise fühlt sich das mit Rose allerdings nicht immer an. Gerade in hektischen Kämpfen hatte ich häufiger das Gefühl, dass die Steuerung nicht ganz so wollte wie ich. Gepaart mit dem ohnehin schon hohen Schwierigkeitsgrad kann „Belmont’s Curse“ deshalb richtig frustrierend werden.

Allerdings gilt das nicht nur für die Kämpfe. Auch außerhalb wird eure Geduld immer wieder auf die Probe gestellt. Die Geschicklichkeitspassagen sind nicht von schlechten Eltern und nach dem Tod erwarten euch zudem häufig lange Wege. Wer auf solche Herausforderungen steht, kommt dafür aber definitiv auf seine Kosten.

Verlaufen gehört zum guten Ton

Wie es sich für ein ordentliches Metroidvania gehört, besteht die Spielwelt aus zahlreichen miteinander verbundenen Gebieten. Dabei könnt ihr nicht von Anfang an jeden Winkel erkunden. Immer wieder versperren euch Hindernisse den Weg, die ihr erst mit später freigeschalteten Fähigkeiten überwinden könnt. Wer schon einmal ein „Castlevania“ oder „Metroid“ gespielt hat, kennt das Prinzip. Das sorgt durchaus für Motivation. Schließlich will man wissen, was sich hinter der nächsten verschlossenen Tür oder einem zunächst unerreichbaren Vorsprung verbirgt. Außerdem gibt es zahlreiche Geheimnisse, neue Ausrüstung und Verbesserungen zu entdecken. Es lohnt sich also, auch bereits besuchte Gebiete noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Castlevania Belmont's Curse Karte
Die weitläufige Spielwelt lädt zum Erkunden ein und hält zahlreiche Geheimnisse bereit.

Besonders die Peitsche spielt bei der Erkundung eine wichtige Rolle. Mit ihr schwingt sich Rose über Abgründe, zieht sich an bestimmten Punkten entlang oder erreicht Plattformen, die sonst unerreichbar wären. Das macht durchaus Laune, wenn man den Dreh erst einmal raus hat. Gerade in Kombination mit den später freigeschalteten Fähigkeiten entstehen einige interessante Geschicklichkeitspassagen. Allerdings übertreibt es das Spiel meiner Meinung nach stellenweise mit seinen Hindernissen. Mal müsst ihr euch an tödlichen Fallen vorbeischwingen, mal mit genauem Timing zwischen Plattformen hin- und herspringen. Ein kleiner Fehler reicht dabei häufig aus und schon dürft ihr den Abschnitt erneut versuchen. Das kann motivieren, wenn man die Herausforderung schließlich meistert. Es kann aber auch ganz schön an den Nerven zehren.

Hinzu kommt, dass die Speicherpunkte nicht immer besonders großzügig verteilt sind. Wer nach einer längeren Erkundungstour das Zeitliche segnet, muss deshalb unter Umständen einige bereits bekannte Abschnitte erneut durchqueren. Gerade auf dem Weg zu schwierigen Bossgegnern hätte ich mir hier etwas mehr Komfort gewünscht. Trotzdem kann sich das Leveldesign insgesamt sehen lassen. Die Spielwelt ist groß, abwechslungsreich und bietet genügend Gründe, auch einmal vom eigentlichen Weg abzuweichen. Das berühmte „Nur noch schnell diesen einen Raum erkunden“-Gefühl stellt sich also durchaus ein. Nur hätte ich mir gewünscht, dass mir das Spiel dabei manchmal etwas weniger Steine in den Weg legt.

Ein düsteres Paris zum Verlieben

Was „Belmont’s Curse“ ohne Frage richtig gut hinbekommt, ist die Präsentation. Schon die ersten Minuten im brennenden Paris machen deutlich, dass sich die Entwickler beim Grafikstil ordentlich Mühe gegeben haben und sich an der Netflix-Serie orientiert haben. Die handgezeichnet wirkenden Hintergründe, die düstere Architektur und die zahlreichen kleinen Details sorgen für eine Atmosphäre, die hervorragend zur Reihe passt. Besonders die verschiedenen Schauplätze können sich sehen lassen. Dazu kommen schön gestaltete Gegner und teilweise beeindruckende Bossgegner. Der leicht comicartige Grafikstil ist sicherlich Geschmackssache, passt meiner Meinung nach aber erstaunlich gut zum klassischen „Castlevania“-Feeling.

Castlevania Belmont's Curse Paris
Das brennende Paris beeindruckt mit seiner düsteren Atmosphäre und dem markanten Grafikstil.

Auch musikalisch bleibt sich die Reihe treu. Der Soundtrack setzt auf düstere Melodien und treibende Stücke, die gerade während der Kämpfe für die passende Stimmung sorgen. An die unvergesslichen Kompositionen eines „Symphony of the Night“ kommt das Ganze für mich zwar nicht heran, aber das ist auch eine verdammt hohe Messlatte. Technisch sieht die Sache auf der Nintendo Switch allerdings nicht ganz so rosig aus. Vergleicht man die Switch-Version mit den anderen, so fällt direkt auf, dass das Bild viel schwammiger aussieht. Kantenglättung? Fehlanzeige. Im ersten Moment dachte ich sogar, dass hier ein Fehler vorliegen muss, so verschwommen wie Rose auf dem Bildschirm meiner Switch 2 aussah. Nach einigen Spielstunden hatte ich mich zwar daran gewöhnt, aber das hätte man besser umsetzen oder zumindest eine Switch 2-Version veröffentlichen können. Zumal die Switch-Version nur auf 30 FPS kommt.

Ein gelungenes Comeback mit kleinen Bissspuren

Es wurde aber auch Zeit! Nach über einem Jahrzehnt bekommt „Castlevania“ endlich wieder einen neuen 2D-Ableger. Und auch wenn „Belmont’s Curse“ nicht ganz an die großen Klassiker der Reihe herankommt, hatte ich mit Rose Belmonts Abenteuer durchaus meinen Spaß. Besonders die düstere Atmosphäre, die abwechslungsreichen Waffen und die große Spielwelt haben es mir angetan. Auch die Peitschenmechanik ist eine nette Idee, die vor allem bei der Erkundung für einige interessante Momente sorgt. Die Geschichte gewinnt zwar keinen Innovationspreis, erfüllt aber ihren Zweck.

Weniger begeistert bin ich dagegen von der stellenweise unpräzisen Steuerung und dem teilweise ziemlich gnadenlosen Schwierigkeitsgrad. Wenn ich einen Boss zum fünften Mal angehe, möchte ich schließlich an meinem eigenen Können scheitern und nicht an einer Ausweichbewegung, die sich nicht ganz richtig anfühlt. Unterm Strich ist „Castlevania: Belmont’s Curse“ für mich trotzdem eine solide Rückkehr der traditionsreichen Reihe. Ein neues „Symphony of the Night“ ist es nicht geworden, aber das muss es vielleicht auch gar nicht sein. Fans klassischer 2D-Action und anspruchsvoller Metroidvanias dürfen sich auf ein ordentliches Abenteuer freuen. Wer dagegen schnell frustriert ist, sollte sich zweimal überlegen, ob er sich mit Rose ins brennende Paris wagen möchte. Ich für meinen Teil hoffe jedenfalls, dass wir auf das nächste „Castlevania“ nicht wieder über zehn Jahre warten müssen.

Aussehen17 / 20
Soundtrack18 / 20
Spielspaß17 / 20
Story15 / 20
Umfang16 / 20

The good

  • Stylischer Grafikstil mit düsterer Atmosphäre und abwechslungsreichen Schauplätzen.
  • Große Spielwelt mit Geheimnissen und motivierender Erkundung.
  • Abwechslungsreiches Kampfsystem mit verschiedenen Waffen und Fähigkeiten.

The bad

  • Stellenweise unpräzise Steuerung und frustrierend hoher Schwierigkeitsgrad.
  • Verschwommene Grafik und lediglich 30 FPS auf der Nintendo Switch.

Bilder: Konami, Retro Gaming Crew

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